Januar 2011 Dioxin-Skandal
Lieber Leser,
sollte uns der aktuelle „Dioxin-Skandal“ tatsächlich überrascht haben?
Diese Frage möchte ich provokativ in den Raum stellen , nachfolgend einige Anmerkungen anführen und zu einer anregenden und informativen Diskussion aufrufen.
Jeder Mensch, der wenigstens einen Teil von Ethik und Moral in sich trägt, darf sich doch nicht ehrlich überrascht fühlen , angesichts der immer mal wieder an die Öffentlichkeit geratenen Skandale rund um`s Tier.
Hier muss man kein radikaler Tierschützer sein, um erkennen zu können wie wenig eine zivilisierte Gesellschaft dem Tier Respekt und Gnade erweist. Nicht nur, dass es mittlerweile kaum noch einem Kind bewusst ist, auf welche Art und Weise Tiere aufgezogen, aussortiert, gehalten und geschlachtet werden, damit immer und überall „leckere Hamburger“ oder „Chicken-Nuggets“ gegessen werden können oder die beliebten Grillwürstchen jetzt auch aus Hühnchenfleisch hergestellt werden.
Die Werbung will uns gerne glauben machen, dass diese Nahrung gesund, lecker und von glücklichen Tieren stammt und zu einem kleinen Preis zu haben ist.
Den Preisdruck den wir als Verbraucher ausüben, wird von den großen Lebensmittelketten dann an die Erzeuger weitergegeben, damit man sich gegenseitig im Preiskampf um Kunden unterbieten kann.
Jedem halbwegs intelligenten Menschen muss doch dabei klar sein , dass ein Tier dann zur Massenware mutiert und die gesamte Lebensqualität eines Tieres in Vergessenheit geraten kann.
Vor diesem Hintergrund scheint es doch schon fast nachvollziehbar, dass auch die Tierfuttermittelindustrie das Hauptaugenmerk auf Preis und Einsparung lenken muss, um zu bestehen.
Wie ein roter Faden läßt sich vermuten, zieht sich der Preiskampf bereits von der Futtermittelherstellung über die Aufzucht, die Haltung bis hin zur Schlachtung eines Tieres.
Eine Industriealisierung der Lebensmittelbranche kann sich scheinbar unaufhaltsam entwickeln,weil man dem
Landwirt seiner ureigentlichen Berufung beraubt.
Ehemals als Kenner und Hüter landwirtschaftlicher Tätigkeiten wie Acker- und Pflanzenbau, Tieraufzucht, Haltung und meist auch Fleischverarbeitung , kann sich der Landwirt heute nur spezialisieren mit großen Mast- und Milchbetrieben oder mit spezialisierten Monokulturbetrieben und als subventionierter Energieerzeuger um überhaupt leben zu können.
Der anspruchsvolle Verbraucher will billiges Fleisch in angemessener Qualität, ohne jedoch wissen zu wollen, was Massentierhaltung wirklich für ein Tier bedeuten kann .
Realisiert denn die Mehrheit der Menschen nicht, dass für Verhaltensforscher(hier vor allem der Verhaltensbiologe Prof. Norbert Sachser an der westfälischen Wilhelms-Universität Münster) kein Zweifel mehr besteht, dass alle höheren Wirbeltiere Emotionen haben.
Glaubt man denn tatsächlich, dass ein Tier, welches tausende von Kilometern eingepfercht in Viehtransportern nach dem Abladen am Schlachthof beispielsweise durch kurzzeitige Wärmelampenbestrahlung dann besonders gelassen und freudig dem Tötungsakt entgegensieht.
Alle Tiere empfinden Schmerzen, so der Verhaltensphysiologe Gerhard Manteuffel vom Leibnitzinstitut für Nutztierbiologie bei Rostock.
Jedes Tier hat Schmerz und Angst
Eingepferchte, sich gegenseitig anfressende, physisch und psychisch völlig daniederliegende Hühner und Puten sind ein elendiges Bild und die Duldung ein Verbrechen.
Eine mehr als bedauernswerte Gesellschaft, die sich der Nahrungsmittel bedient, die auf dies Art und Weise erzeugt wird.
Erahnt man jetzt vielleicht auch, dass ebenso in der Futterherstellung durch Preisdruck ,Gewinnsucht oder verbrecherischer Machenschaften die Werthaltigkeit und Reinheit eines Tierfutters nicht immer gewährleistet sein kann. Kommen dann so verseuchte Fleisch- und Tierprodukte in den Verkehr und führen zu Schäden beim Verbraucher , scheint man allgemein fassungslos und empört zu sein.
Fragen zur Ernährung unserer Haustiere
Wollen wir uns denn nicht auch ernsthaft fragen, wie es um die Futtermittel und die vielfältigsten Angebote auf dem Futtermittelmarkt steht?
Wollen wir nicht auch wissen, wie es denn mit der Belastung von Dioxin und anderen unangenehmen Beimischungen im täglichen Futter unserer Lieblinge aussieht und welche Folgen das für die Gesundheit der Tiere haben könnte??
Können wir noch erkennen was in undefinierbaren Futterbällchen, aufgepoppten Beimengungen oder Futtermittel in Form von Pellets oder Extrudaten wirklich enthalten ist.
Welche Fette werden da verwendet, warum sind Reis, Mais und andere Körner aufgeblasen, zusammengepresst und beigemischt? Gemüse und Fleisch meist in den Dosen nicht exakt definierbar ?
Wo kommt dieses Fleisch her, um welche Bestandteile handelt es sich , wenn auf der Verpackung Fleisch- und Nebenerzeugnisse deklariert sind?
Hat man sich angesichts der Preispolitik der Tierfuttermittelhersteller und vor allem der Handelsketten einmal ernstlich Gedanken gemacht, ob damit noch das Hauptaugenmerk auf Qualität und echtem Bedarf beim Tier liegen kann??
Der Markt um Haustiere, hier auch der Futtermittelmarkt , ist unüberschaubar geworden.
Obwohl wir immer mehr über Physiologie der Tiere erfahren und sich auch auf dem Gesundheitssektor Tier ein immer größerer Markt aufbaut, nehmen die Krankheiten und Gesundheitsstörungen unserer Haustiere immer mehr zu.
Sind Skandale wirklich nur auf den Lebensmittelbereich beschränkt?
Als verantwortungsvoller Tierhalter muss man sich intensiv über Futtermittel, deren Zusammensetzung und Beimischungen, sowie dem Herstellungsverfahren ausreichend und kritisch informieren.
Jeder sollte sich darüber im klaren sein, dass „Geiz nicht geil“ ist, dass die Nahrung für jedes Tier so artgerecht wie möglich sein muss, nicht durch unsinnige und undefinierbare Zusatzmischungen aufgewertet werden muss und entsprechend der Anforderung, dem Alter und dem Gesundheitszustand individuell sein soll.
Kann das nicht garantiert werden, müssen wir qualifizierte Zertifikationen fordern.
Ich erwarte Nachweise, die ein belastungsfreies Futtermittel von anerkannten und unabhängigen Kontrollstellen garantieren.
Die Frage die im Raum stehen sollte ist:Warum kaufen wir überhaupt Fertigfuttermittel ?
Muss es das bunt anzusehende und angenehm riechende Müsli für das Pferd sein oder das mit Petersilie dekorierte , auf Porzellanschälchen servierte Hunde- und Katzenfutterhäppchen ? Liegt hier nicht der Gedanke zugrunde einen Kaufreiz mit dem menschlichen Geschmacksvorstellungen zu erzeugen.
Wir sollten kritisch sein, unsere eigenen Vorlieben in den Hintergrund stellen und Bequemlichkeit in der Haltung und Fütterung nicht mehr gegenüber dem echten Bedarf und der Qualität im Sinne unserer Tiere anführen.
Billigpreise können meist keine echte Qualität mehr garantieren und teuer kommt uns dann der gesundheitliche Schaden unserer Tiere.
Hier würde ich mich über eine breite Diskussion, Erfahrungen und Meinungen sehr freuen.
Gerne auch von Herstellern und Erzeugern, die hier einmal Ihr Qualitätsmerkmal herausstellen möchten, die auch die eigene Überwachung und Aufklärung für den Verbraucher auf dem Tierfuttermittelmarkt beschreiben können.
Hier ist eine echte Gelegenheit. Schreiben Sie hier Ihre Meinung



